UAZ: Russischer Kult mit 60er-Jahre Charme
"Fährt überall hin, wo ein Panzer hinkommt"
Es ist ein Auto, das es nach den Gesetzen des Marktes eigentlich nicht mehr geben dürfte. Die Achse würde anderswo im Alteisen landen, die Federung verdient ihren Namen nicht. Alles, auch Vergaser und Motor, stammt aus der Regierungszeit von Nikita Chruschtschow. Und trotzdem: Der UAZ-Geländewagen ist in Russland Kult.
Von Stephan Stuchlik, ARD-Studio Moskau
Für Ilja Petruschow gibt es keine Alternative zu seinem Auto mit dem rustikalen Charme der Sechzigerjahre. "Wenn Sie mit einem normalem Auto zwei Zentimeter von der Straße 'runter fahren, haben Sie sofort einen verzogenen Rahmen. Der alte UAZ hält alles aus. Das ist eine superstabile Konstruktion aus den Sechzigern, kein Schnickschnack, keine Elektronik. Auf der Gebrauchsanweisung für meinen UAZ steht: Fährt überall hin, wo ein Panzer hinkommt." Und weil der UAZ so simpel ist, lässt er sich einfach umbauen.
Die Autofabrik UAZ in Uljanowsk (Foto: picture-alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Rustikale Technik aus den Sechzigern - gebaut bis heute: Die Autofabrik UAZ in Uljanowsk.]
So etwas wie der "Moskauer UAZ-Club" von Ilja ist Mode geworden in Russland. Sogar Exil-Amerikaner Alex Montoya bastelt mit. Motto: Nur wirklich alt ist wirklich gut. Auch Alex schwärmt: "Das sind einfach solide Teile, aus denen dieses Auto gemacht wurde, deswegen funktionieren auch neue Ersatzteile überhaupt nicht. Du brauchst unbedingt das alte Sowjetteil, du baust es ein und alles klappt einwandfrei." Sogar die Kleinkabel haben sie noch aus alten Armeebeständen zusammengekauft, um für das große UAZ-Rennen in zwei Wochen vorbereitet zu sein. Bis dahin ist hier frauenfreie Zone, es waltet die subtile Schönheit eines Dreispeichenlenkrads oder eines 63-iger Allradgetriebes.
Das Autowerk steht in Lenins Geburtsstadt
Doch vorher ist Ilja erst einmal ins Allerheiligste unterwegs, im Linienflugzeug von Moskau nach Uljanowsk, in die UAZ-Metropole. Die Maschine ist aus den Sechzigern, altersschwach, und Ilja ist nervös. Sein UAZ ist noch älter als dieses Flugzeug, in sein Auto aber hat er mehr Vertrauen.
Es geht aber alles gut, und schließlich landet die Maschine in Uljanowsk an der Wolga. Lenin wurde hier geboren, ein Denkmal steht an jeder Ecke. Und um diese Ecken biegen, natürlich: die UAZ. Millionen von Autos sind nach der Stadt benannt: Uljanowskij Awtomobilnij Zavod, und viele seltsame Vehikel hier tragen den Namen der Uljanowsker Autowerke, abgekürzt: UAZ.
Ilja ist als Club-Vorsitzender eingeladen, sich diese Werke von innen anzusehen. Eine Mischung aus Pilgerreise und Fachkonferenz. Stolz zeigt der Vorarbeiter das modernste Fließband, ursprünglich für die Montage der neuesten Modelle gebaut. Doch von denen stehen nur zwei ganz hinten in der Ecke. Vom Band laufen ausschließlich die Modelle aus den Sechzigern.
Statt des neuen Modells werden die alten verkauft
Das Lenin-Museum in Uljanowsk (Foto: picture-alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Auch die Architektur des Lenin-Museums in Uljanowsk erinnert an sowjet-sozialistische Zeiten.]
Nicht nur die Bastelfans aus dem Club, die meisten Russen wollen jetzt UAZ wie aus Sowjetzeiten, sogar das Werk war überrascht, berichtet Igor Ryschkin, der UAZ-Vertriebsleiter: "Das alte Auto lässt sich ganz einfach bedienen, besonders im Gelände. Wir haben unterschätzt, dass die meisten Leute auf dem Land leben und keinen Luxus wollen, sondern Haltbarkeit.und ein billiges Auto. Wir dachten, wir machen noch ein paar alte für die Armee. Aber jeder will sie haben, denn für die vielen schlechten Straßen in Russland gibt es kein besseres Auto." Und das ist in eineinhalb Stunden montiert, so wie vor Urzeiten.
Die UAZ-Werke wurden ursprünglich für den Krieg aus dem Boden gestampft. Die Militärjeeps wurden sofort ein Erfolg in der Sowjetunion, im Reich der schlechten Wege. Das Lieblingsmodell der Russen bekam den Spitznamen "Kaziol", Bock. Man erinnert sich: Die Federung ist etwas, naja, bockig.
30.000 Werktätige produzierten Millionen dieser Autos, und von denen sind immerhin noch 14.000 im Werk beschäftigt, nicht zuletzt dank des jüngsten UAZ-Booms. Nicht viele russische Firmen haben den Übergang in die neue Zeit so gut geschafft.
Derweil nimmt Ilja im UAZ-Museum alles genau unter die Lupe. 80 Fotos aus über 60 Jahren Geschichte, Ilja ist richtig ergriffen: "Ein UAZ ist eben ein Produkt der Sowjetunion, ich kann da einen kleinen Teil der Geschichte anfassen, ein anderes Land anfassen, eines, in dem zum Beispiel meine Eltern lebten. Ich glaube ich mag diese Autos auch deswegen, weil sie aus einer fremden Zeit kommen - ein aufregendes Gefühl."
Wenn ein UAZ steckenbleibt, ist das Gelände Schuld...
Dann ist der große Tag des Rennens gekommen, mit immerhin einigen hundert Zuschauern. Für Ilja und Alex geht der Tag schon mal schlecht los: Sie müssen mit ihrem Ersatz-UAZ antreten, bei ihrem Vorzeigewagen gibts Motorprobleme.
Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Iljas und Alex' ganzer Stolz: Ein UAZ mit der Technik aus den Sechzigern.]
Um drei Uhr kann es dann endlich losgehen: Die UAZ im Gelände, in ihrem Element. Ein kitzekleiner Fahrfehler nach über 20 Stunden und Ilja sitzt leider fest, Kollege Alex muss nach vorn, ein Seil befestigen, der UAZ hat natürlich eine eingebaute Winde. Eine Stunde im Zentimetertakt, die frühe Zielankunft rückt in weite Ferne. Ilja sucht nach dem Rennen nach den Gründen: "Ich habe das Gefühl, hier sollte man einen Wettbewerb abhalten, wer die besten Seilwinden hat. Schade für uns, dass es nicht geklappt hat, aber an unserm UAZ hat es nicht gelegen, für das Gelände hätten wir einen Schneepflug haben müssen."
Vielleicht hätte es aber auch einfach genügt, nicht vom Weg abzukommen. Sechs Stunden später, auf dem Moskauer Hinterhof: Auch beim Club gibt es keine Manöverkritik, die Autos müssen einfach besser werden, die Jungs telefonieren schon nach Originalgetriebeteilen aus den Siebzigern. Ein bisschen Enttäuschung ist da, aber dann zieht sie wieder in die Garage. Ilja zu seinem UAZ, und Alex zu seinem UAZ. Es ist eben ein einmaliges Auto.
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_________________ Zynismus ist der geglückte Versuch, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist.
Der Wunsch, Andersdenkende an den Bäumen baumeln zu sehen, hat schon oft zur Tat geführt.....
Ich kann die Sache so wie es da oben steht nur bestätigen.
Ich lass mir meine Teile mittlerweile auch wieder aus Russland schicken. Das Zeug paßt und funktioniert wenigstens.
Und vorallem: Der Orange oben sieht äußerlich , von der Farbe mal abgesehen, genau wie mein 34 Jahre alter Uaz aus. Das nenn ich mal diskrete Modellpflege.